Klaus Trumpf: Ein Kontrabass geht auf Reisen

Klaus Trumpf ist einer der führenden Solo Kontrabassisten und legt mit seinem Buch: „ein Kontrabass reist um die Welt“ ein spannendes Sammelsurium über sein Leben als Kontrabassist, Lehrer, Forscher, Reisender und Mensch dar. Aufgewachsen in Görlitz in einer musikalischen Familie, bestand für Klaus Trumpf keine Zweifel über seine Berufswahl und mit Begeisterung folgte er seinem Vater in den ehrenwerten Stand der Kontrabassisten. 1949 entstand die DDR und nach dem Mauerbau 1961 fühlte Klaus Trumpf die Enge der DDR. Sein Wissensdurst und sein Streben nach Austausch mit Gleichgesinnten standen diametral zur verknorzten Doktrin der herrschenden Regierung und mit manchem treffenden Satz karikiert Klaus Trumpf diese, im Nachhinein grotesk scheinenden Situationen. Doch damals, als Bürger dieses totalitären Staates, war es wohl kaum so amüsant wie es sich jetzt in dem schönen Buch liest. Man spürt zwischendurch sehr wohl den Angstschweiss, auch wenn man den als freier Schweizer nicht kennt.

Der Autor liess sich aber durch den engstirnigen Sozialismus die Lebensfreude nicht vergällen und fand mit seinem Schaffensdrang ein grosses Betätigungsfeld sowohl im Berliner Orchester wie auch im Schweriner Archiv mit dem Lebenswerk des bedeutenden Komponisten Johann Matthias Sperger ( 1750-1812 ) . Dieser bislang eher unbekannte Kontrabassist komponierte unzählige Werke, neben vielen Sinfonien auch einige Kontrabasskonzerte. Der gesamte Nachlass dieses fleissigen Komponisten nebst umfangreichem Notenmaterial anderer Meister lagerten hier und boten reichlich Gelegenheit zu ergiebigen und verdienstvollen Studien.

Mit viel Geduld und einer gehörigen Portion Mut schafft Klaus Trumpf es auch immer wieder, auf Reisen zu gehen. Was für uns völlig normal ist oder allerhöchstens eine Frage des Geldes, war in der DDR wohl nur einigen Wenigen vergönnt. So hinterlässt 1969 eine Reise nach Genf an den internationalen Kontrabasswettbewerb einen bleibenden Eindruck und den Wunsch, diese für die Entwicklung eines jeden Bassisten so wichtige Treffen auch in der DDR abzuhalten. 1973 schon lud man zum ersten internationalen Kontrabasstreffen nach Berlin. Die Organisation muss ungeheure Energien verschlungen haben. Groteske Entscheide mussten akzeptiert werden und doch liest sich die Gästeliste erlesen: Masahiko Tanaka mit Tonkassette, Horst Goltz, Alfred Planyavsky, Hans Fryba, Todor Toschev, Günter Klaus, Edward Krysta, Gonzales de Lara, Horst Butter, Gero Bodenstein und der unvergleichliche Lajos Montag, hier auf dem Foto gleich mit seinem Lieblingsbass, einem Grancino.

Die Idee eines Wochenendseminars im Kloster Michaelstein baute Klaus Trumpf über all die Jahre bis zu einem weltweit beachteten Event aus. Ueberhaupt spürt man im Buch immer wieder die grosse Achtung, die Klaus Trumpf vor seinen eigenen Lehrer hat und die ihn immer wieder motiviert, seinen Schülern die selbe gute Ausbildung und Chancen zu bieten, die auch er selber genossen hat. Nicht nur ist er der Lehrer von unzähligen berühmtem Bassisten, sein engagierter Unterricht blieb auch nicht unbeachtet und das schöne Foto gleich nebenan zeigt Sophie Mutter bei ihrem Besuch in der Kontrabass Klasse von Klaus Trumpf, im Hintergrund ihr Lieblingsbassist, der hochtalentierte Roman Patkolo.

Ich habe das Buch mit grösstem Vergnügen gelesen. Auch wenn man sich manchmal wirklich an den Kopf greifen muss über die sture und kleinliche Art des Staatsapparates der DDR, so freut man sich ebenso diebisch über den Einfallsreichtum, mit dem der Autor und die Bürger dieses bizarren Staates sich zu helfen wussten. Das Buch ist auch eine Ode an die Musik und deren grenzübergreifenden Macht. Ich kann dieses Buch, geschrieben mit Herzblut, jedem Kontrabassisten, Musiker und jedem Menschen wärmstens empfehlen.

Erschienen ist das Buch im BoD Verlag Norderstedt unter der ISBN: 978-3-7386-8738-5

Ein Besuch seiner Hompage lohnt sich sicher: www.klaus-trumpf-sperger.de

Bis gleich wieder mal auf diesem Blog

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© copyright Text Giorgio Pianzola, Bern 2015, alle Fotos Klaus Trumpf/ BoD Verlag Norderstedt

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