Monic Mathys, Bassistin bei „Patent Ochsner“

Obwohl ich jeden Kunden, sei es nun ein Profi, ein Amateur oder ein Anfänger, mit der gleichen Aufmerksamkeit bediene, freut es mich immer ganz besonders, wenn so talentierte und schöpferische Musiker mein Atelier besuchen. In diesen Fall ist es die Bassistin der Kultband „Patent Ochsner“, die sich meine schöne Sammlung an Kontrabässen anhören will.

Zu ihrer Beratung hat Sie gleich noch einen weiteren Meisterbassisten mitgebracht, den hochmusikalischen André Pousaz. Wir haben uns den ganzen Nachmittag reserviert, um in Ruhe die verschiedensten Bässe anzuspielen und ich bin bereit, sofort auch etwaige gewünschte Umbauten oder Aenderungen an den Einstellungen vorzunehmen.

Um den richtigen Kontrabass zu finden, ist es von höchster Wichtigkeit, verschiedene Modelle mit der gleichen Besaitung anspielen und vergleichen zu können. Nur im direkten Vergleich kann man die Unterschiede hören und den Charakter jedes Basses genau erkennen. Interessant für Monic und mich war es auch, André die Bässe spielen zu lassen und den Sound aus ein paar Meter Entfernung anzuhören.

Die Unterschiede sind erheblich, doch kaum so klar hörbar, wie wenn man die Bässe selber spielt. Doch nicht nur der Sound ist wichtig. Wir hatten schon im Vorfeld einige Bässe ausschliessen können, da Monic einen eher zierlichen Kontrabass wünschte. Schon von der Physiognomie her sind Bässe mit einer langen schwingenden Saitenlänge für zierliche Hände kaum geeignet und ich hatte für Monic ein paar Kontrabässe mir einer Saitenlänge von maximal 104 cm bereitgemacht.

Der Nachmittag verging wie im Flug und Monic konnte sich nach dieser eindrücklichen Demonstration gut entscheiden. Sie hat grossen Spass an ihrem neuen Kontrabass und ist fleissig am Ueben. Denn schon bald geht es auf Tournee und erst kürzlich wurde bekannt, dass „Patent Ochsner“ als erste Schweizer Band gar mit dem legendären MTV Unplugged Format geadelt wurde. Dieses Konzert soll im Oktober im Bierhübeli aufgenommen und gefilmt werden und reiht „Patent Ochsner“ neben berühmtem Namen wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Nirwana und Udo Lindenberg ein.

Ich freue mich ganz speziell für Monic und hoffe, dass ihr Erfolg auch andere Frauen ermutigt, sich vermehrt einer der schönsten Sachen im Leben zu widmen, der Musik !

Mit herzlichem Dank für Dein Vertrauen in mein kleines Kontrabass Paradies, liebe Monic und besten Dank an André für seine wunderbare und einzigartige Musik, Giorgio

© Copyright Text und Foto, Giorgio Pianzola, Bern 2021

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Happy Birthday Reggie Johnson

Dear Reggie, happy Birthday! Heute wärst Du also 80 Jahre alt geworden. Leider hast Du uns schon früher in diesem Jahr für immer verlassen. Still bist Du gegangen und die Nachricht darüber schlich sich, bedingt durch die Pandemie, nur zögerlich in die Oeffentlichkeit. Geschockt hat Sie uns alle. Fast 35 Jahre lang war ich Dein Geigenbauer und habe Deine Bässe gerichtet. Wir haben viel gelacht in dieser Zeit, Du warst immer für einen Spass zu haben. Ich kann mich an unzählige Nachmittage in meiner alten Werkstatt erinnern, im Kreis von Musikern, die im Jaylins Club spielten und mit Dir auf ein Glas zu Besuch kamen. Inmitten all der Kontrabässe, mit den Holzstapeln an den Wänden, der Boden übersät mit Hobelspänen, sassen wir um den alten, bullernden Holzofen und tauschten Geschichten mit diesen Musikern aus aller Welt.

1989 nahmst Du mich mit auf Tournee mit der Mingus Dynastie, wo Du den Part von Charlie Mingus übernahmst. Du zeigtest mir New York, den Big Apple und ich fand mich als junger Mensch auf einmal inmitten all dieser Jazzgrössen, den Musikern, die ich seit langem bewunderte. Wir besuchten Sun Ra in seinem Probelokal und lauschten seinem Sonnenwind, wir trafen Milt Hinton und assen mit Major Holley zu Abend. Bei allen Konzerten der Mingus Dynastie war ich Backstage und genoss auch die Fahrt mit den Musikern im Bandbus.

Zurück in der Schweiz haben wir viel experimentiert und als Amerikaner warst Du von einer natürlichen Offenheit für alles Neue. Wir haben jeden Saitensatz ausprobiert und jeden Tonabnehmer getestet. Wir haben unzählige Bässe komplett umgebaut und ich habe viel von Dir gelernt über Sound und Attack, über Sustain und Delay. Du warst mein Testpilot über Anatole. Es war immer ein Vergnügen, mit Dir zu arbeiten, Danke.

Mit zunehmendem Alter wurden wir beide ruhiger, das Reisen mit dem grossen Kontrabass bereitete Dir zunehmend Mühe. Auch ich musste krankheitsbedingt lange pausieren und unsere Treffen wurde leider seltener.
In meiner Erinnerung bist Du aber immer noch da, wie wenn Du eben zur Türe raus gegangen wärst. Dein Humor, Dein Lachen, Dein excellentes Bass Spiel, all das ist noch hier. Good by my friend, Thanks, and keep swinging.

Bern, den 13. Dezember 2020

Giorgio “Doc Pizza” Pianzola

© Copyright Fotos und Text Giorgio Pianzola; Bern 2020

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Wie findet man den richtigen Bogen !?!?

Die Suche nach dem richtigen Bogen kann ein Leben dauern. Und je länger man spielt, desto anspruchsvoller man wird. Ein Glücklicher, wer von sich sagen kann, seinen Traumbogen gefunden zu haben und sich keinen Besseren mehr zu wünschen. Denn es ist nicht nur die Suche nach dem richtigen Bogen, sondern auch die Entscheidung, welcher Bogen der Richtige ist, die so schwer fällt.

In den 36 Jahren, in denen ich nun schon in meinem Kontrabass Paradies Beratungen mache und Bögen verkaufe, habe ich ein ausgeklügeltes System entwickelt, das dem Bassisten ein einfaches Mittel in die Hand gibt, seinen richtigen Bogen zu finden, beziehungsweise, ihn zu erspielen. Wichtig dabei ist ja das Bauchgefühl und somit auch der Verzicht auf hirnlastige Infos wie Preis oder Namen. Dafür ist am Schluss nach einem gefühlsmässigen Ausschlussverfahren noch genug Zeit.

Der Profibassist Nicola Sabato war von diesem einfachen System so angetan, dass er sich selber mit seinem eigenen Schal symbolisch die Augen zuband um die letzten drei verbliebenen Bögen völlig neutral und vorbehaltlos anzuspielen und seinen richtigen Bogen per Gefühl zu ermitteln, was ihm auch problemlos gelang. Wir hatten mächtig Spass und hatten während dem Ausprobieren immer wieder Gelegenheit, die verschiedenen Stimmen jedes Bogens zu vergleichen und zu kommentieren. Doch nicht nur der Sound des Bogens ist entscheidend für den Bassisten. Die Balance und das Gewicht, die Form des Frosches und die Biegung der Stange, sein Springverhalten und seine Ansprache wiegen genau so viel bei der Entscheidung: Ist das der richtige Bogen !?!?

Bei der riesigen Auswahl an Bögen in deutscher und französischer Bauweise, in Neusilber, Silber und Gold montiert, die ich in meinem Paradies anbiete, findet sich für jeden Geschmack ein Bogen, der passt. Wichtig ist, dass man einen Termin vereinbart und sich genügend Zeit nimmt, alle in Frage kommenden Bögen in Ruhe anzuspielen und zu vergleichen. Nur so wird man fündig….

In diesem Sinne, viel Spass und bis gleich wieder mal hier auf meinem Blog…

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright, Text & alle Fotos, Giorgio Pianzola, Bern 2020

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Kontrabass und Weltklima

Ein Thema beschäftigt uns zur Zeit in irgendeiner Weise sicher alle: Das sich stark verändernde Weltklima. Sehen Einige darin bloss eine Laune der Natur, so fürchten Andere den Einfluss der Menschheit und ihren masslosen Lebensstil als Auslöser für die Erderwärmung. Eine mutige junge Frau nimmt kein Blatt vor den Mund und warnt eindringlich vor den Folgen der starken Eingriffe in die Natur. Greta ist heutzutage Jedermann ein Begriff.

Was irgendein Spassvogel ihr hier auf den Karton geschrieben hat, stammt so sicher nicht aus ihrem Mund, ist aber vermutlich in Ihrem Sinne. Die Abholzung der Wälder hat unglaubliche Dimensionen angenommen. In den letzten hundert Jahren wurden weltweit 50% der Wälder abgeholzt. Davon wurde eine verschwindend kleine Menge für den Bau von Kontrabässen verwendet. Leider wurde der grösste Teil der Wälder zur Gewinnung von Ackerland oder der Ausbeutung von Rohstoffen abgeholzt. Dabei hat man nicht nur wertvollen Lebensraum für unzählige Lebewesen zerstört, sondern auch riesige Speicher von CO2 vernichtet. Zudem wurde mit dem Wald auch der grösste Produzent von Sauerstoff zerstört.

Es ist Zeit, innezuhalten und diesem Wahnsinn die Stirn zu bieten. Jeder kann mit seinem Beitrag mehr erreichen als er glaubt. Nur wenn ein globales Umdenken stattfindet, kann dieser Prozess der Zerstörung unserer Welt aufgehalten werden.

In diese Sinne verbleibe ich dieses Mal etwas nachdenklich

Bis gleich wieder mal hier auf meinem Blog

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text G. Pianzola, Foto, Fund auf dem Internet, mit meinem Ausdruck von Bewunderung für ihren Mut und ihre Taten an Greta

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Lebenszeichen & Glückwünsche

Seit einiger Zeit liegt mein Blog nun brach und auch auf meiner Homepage war es lange ruhig. Eine Zeitlang blieb gar das Geschäft geschlossen und einige Kunden standen ratlos vor der versperrten Türe. Doch ich kann Euch beruhigen: Die Gerüchte über mein Ableben sind stark übertrieben. Ein plötzlicher Aorta-Abriss zwang mich zwar zu einer Notoperation und einem längeren Spitalaufenthalt. Doch Dank grandioser Chirurgie und ausgezeichneter Pflege fühle ich mich heute weitaus besser und will aufs neue Jahr wieder in meiner geliebten Werkstatt stehen.

Mein herzlicher Dank geht an die Aerzte und an alle Pflegenden. Es war ein einzigartiges Erlebnis und hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben ist. Mein Dank auch an meine Familie und meine Freunde, die mir in diesen harten Stunden zur Seite gestanden sind. Mein Dank auch an meine Kunden, die mir mit viel Verständnis und guten Wünschen entgegen gekommen sind. Mein Dank auch an diese wunderschöne Welt voller Geheimnisse und Wunder. Wie dieser wunderschöne Kontrabass…

Gebaut vor circa 160 Jahren im Tirol, hat er Einiges erlebt und durchlitten. Er befindet sich aber trotz seines Alters und Dank guter Pflege in einem ausgezeichneten Zustande und verzaubert mit seine mächtigen Stimme noch immer seine Zuhörer. André Pousaz hat den Bass mit der ihm eigenen, unvergleichlichen Art angespielt und entlockt ihm diese atemberaubende Musik, von der ich einfach nicht genug kriegen kann. Während den langen Stunden auf der Intensiv Station, hab ich immer und immer wieder diese Musik gehört und Mut und Kraft daraus geschöpft.

Doch hört selber…..

Und hier noch ein wunderschönes Foto dieses Meisterwerkes

Ich verbleibe mit meinen besten Wünschen für ein gesundes, erfolgreiches und lustiges neues Jahr und freue mich, Euch alle wieder mal hier, in meinem Kontrabass Paradies begrüssen zu dürfen.

mit herzlichen Grüssen aus der Werkstatt, Euer

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text, Foto und Video, Giorgio Pianzola, Bern 2019

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Der Kontrabass und seine Nachhaltigkeit

In letzter Zeit scheint sich in der Menschheit endlich eine Bewusstheit über die unendliche Flut von Abfall zu bilden, die wir permanent produzieren und die unser Raumschiff „Erde“, ein in sich geschlossenes, sehr komplexes und fragiles System, Tag täglich aufzunehmen und zu verdauen hat. Diese, mit zunehmender Bevölkerungszahl stetig steigende Menge an manchmal völlig sinnlosem Gekröse aus nahezu unzerstörbaren Stoffen, die zudem noch grösstenteils bloss der Verpackung von anderen Gegenständen dienen und kurz darauf einfach „entsorgt“ werden, bereiten unserer Erde immer mehr Sorgen.

Angeregt durch die aufkeimende Diskussion um diese beängstigende Flut aus „Kunststoffen“ stellt sich die Frage nach dem eigenen Grad der Verschmutzung, nach der eigenen Lupenreinheit, nach den eigenen Sünden in diesem gedankenlosen Konsum von biologisch unverdaubaren Stoffen. Wie sieht es in meinem Geschäft aus? Wieviel Abfall produziert meine Werkstatt und wie sieht es mit der Umweltverträglichkeit des Kontrabasses im Allgemeinen aus ?

Sicher ist, der Kontrabass ist ein langlebiger Bursche. Ein Alter von 100, ja gar 200 Jahren ist keine Seltenheit. Zudem ist Holz ein Naturstoff und zu 100% biologisch abbaubar. Die drei meistverwendeten Hölzer, die Fichte ( picea abies ) für die Decke und die Innenklötze, der Ahorn ( acer pseudoplatanus ) für den Hals, den Rücken, die Zargen und den Steg, und das harte Ebenholz ( diospyros crassiflora ) für das Griffbrett und die Sättel, manchmal auch für die Wirbel oder den Saitenhalter, sind alle nicht auf der Liste der bedrohten Arten ( Cites Liste Stand 3/2019 ) und wachsen nachweislich innert der durchschnittlichen Lebensdauer eines Kontrabasses mehrmals nach. Der verwendete Leim auf Glutin Basis ist ebenfalls zu 100% natürlich.

Auch der Bogen besteht aus einem problemlosen, allerdings geschützten Holz: dem Fernambuk ( caesalpinia echinata ). Der Handel mit diesem Holz steht unter bestimmten Auflagen, das Reisen mit einem fertigen Bogen ist allerdings frei. Sowohl die Stange aus Fernambuk, wie auch der Frosch des Bogens aus Ebenholz sind zu 100% biologisch abbaubar. Die Kleinteile aus Metall landen in der Wertstoffsammlung. Auch die Augen und der Schieber aus Perlmutt sind unbedenklich. Sie bestehen aus natürlichen Kalkverbindungen.

Der Lack kann da schon mehr Aerger bereiten. Allerdings nicht, wenn der Kontrabass mit einer fachgerechten Handlackierung verschönert ist. Die verwendeten natürlichen Harze sind erhärtete Ausflüsse aus Pflanzen und beinhalten in dieser Konzentration keine bedenklichen Stoffe. Das Lösungsmittel ist Alkohol und der ist in jedem Aggregatzustand umweltverträglich. Leider werden immer mehr Kontrabässe mit 2 Komponenten Lacken oder Nitrocellulose Lackierungen versprayt und diese, auch in der Möbelindustrie verwendeten Stoffe, sind biologisch nicht abbaubar und sollten deswegen nur einer geordneten Entsorgung übergeben werden.

Die Saiten eines Kontrabasses bestehen zum grössten Teil aus Chromstahl oder ähnlichen Metallen, sind gesuchte Rohstoffe und können problemlos eingeschmolzen werden. Die verschiedenen Kunststoff Variationen im Saitenbau sind allerdings eher eine Belastung und sie sollten in jedem Fall der Verbrennung zugeführt werden, da diese, in unseren Breitengraden hochentwickelte Entsorgungsform, diese Stoffe mit der geringsten Belastung zu vernichten vermag. Darm Saiten sind eh kein Problem und zu 100 % biologisch abbaubar.

Die Stimm-Mechaniken, meist aus Messing mit einer Stahlspindel, stellen kein Problem bei der Entsorgung dar. Das Metall sollte aber unbedingt der Metallsammlung zugeführt werden. Die geringen Spuren einer künstlichen Oberflächenbehandlung liegen im Mikrometer Bereich und vaporisieren beim Einschmelzen komplett. Auch der Stachel ist meistens aus Metall und sollte mit Spitze und Schraube recyclet werden. Die Korklagerung des Stachelstabes ist bedenkenlos. Die Birne des Stachels, meist aus Ebenholz, stellt auch keine Probleme dar. Der Gummizapfen, meist aus hochwertigem Kautschuk, seltener aus Kunstoff, hinterlässt in der Verbrennung am wenigsten Rückstände.

Die in den letzten Jahren sehr beliebt gewordenen Kevlar Hängelsaiten sind chemisch der Gruppe der Aramide zuzuordnen und widersetzen sich selbst in der Verbrennung hartnäckig der Zerstörung. Kevlar brennt nicht, sondern verkohlt erst ab 400 Grad Celsius. Die Stoffe, aus denen die Kontrabass Hüllen genäht werden, sind grösstenteils den Gruppen der Polyamide zuzuordnen. Bezeichnungen wie Cordura, Nylon, Dederon ( die DDR Version ) fassen meistens bloss Variationen der Hersteller zusammen. Auch diese Stoffe wie auch die Schaumpolsterungen gehören am besten in die Verbrennung und keinesfalls in die Natur.

FAZIT:
Der Kontrabass ist ein umweltfreundlicher Geselle, vorallem wenn er nach alter Väter Sitte gebaut ist und wie sein Bogen zu 100% aus Naturstoffen besteht. Seine hohe Lebenserwartung und seine geniale, analoge Konstruktion lassen ihn in Bezug auf die Nachhaltigkeit nahezu perfekt erscheinen. Zudem für einen wunderschönen Verwendungszweck, die Musik, gebaut, erhält er bei guter Pflege sogar seinen Wert und tönt mit zunehmendem Alter immer besser.

In diesem Sinne wünsche ich Allen viel Spass mit unserem gemeinsamen Freund, dem Kontrabass und bis gleich wieder mal hier, auf meinem Kontrabassblog.

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text Giorgio Pianzola, Bern 2019

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Zwei audiovisuelle Porträts alter, restaurierter Kontrabässe

Einer meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen ist das Restaurieren alter Kontrabässe. Es gibt kaum einen schöneren Moment, als wenn man nach monate-, ja manchmal jahrelanger Arbeit einen alten Bass wieder aufspannt und seine lang verstummte Stimme erklingen lässt. Den vollen Sound erlebt man aber am Bestem beim Zuhören in zwei, drei Meter Abstand. Vorallem wenn ein so genialer Bassist wie André Pousaz mit seiner unvergleichlichen Musik den Bass spielt. Dieses Erlebnis möchte ich mit Euch teilen und ich habe André und Nicole gebeten, mir bei der Realisation zu helfen. André schrieb die Musik, spielte sie auf den beiden Bässen ein und nahm sie sogar in seinem eigenen, famosen Studio, dem Soundlab, auf. Nicole filmte die beiden schönen Kontrabässe und schnitt die Bilder zur Musik. Doch geniessen Sie selbst…

Dieser Kontrabass wurde 1923 von Mathias Heinicke gebaut, einem sehr talentierten und weit gereisten Geigenbauer, der sich in Italien weiterbildete und unter Anderem auch mehrere wunderschöne Kontrabässe gebaut hat. Der Bass war eigentlich in einem guten Zustande, hatte nur 3 kleine Risse, was für sein Alter erstaunlich ist. Leider brachte aber ein bedauernswerter Zeitgenosse im Innern irgendwelche, angeblich tonverbessernde Applikationen an, die den Bass völlig abdämpften und die Statik gefährdeten. Ich zerlegte den Bass, entfernte diesen Schwachsinn, reparierte die 3 Risse und baute das schöne Instrument wieder zusammen. Ein neues Griffbrett, ein erstklassiger Steg, der beste Stachel den es gibt und ein Satz neuer Saiten kamen noch dazu. Alles perfekt eingestellt und aufeinander abgestimmt ergibt diesen Sound wie oben….

Dieser alte Kontrabass wurde circa 1850 im Tirol erbaut und hat schon Einiges von dieser Welt gesehen. Ich erwarb das Instrument aus dem Nachlass eines Profibassisten und machte mich gleich an die Arbeit. Auch dieser Kontrabass war eigentlich in einem guten Zustande und wurde jahrzehntelang durch das berühmte Atelier Kort in Berlin betreut. Nach dem Hinschied des Vorbesitzers verblieb der Bass aber lange ungespielt und diverse Arbeiten und Einstellungen standen an. Doch nach Abschluss dieser Arbeiten kommt endlich der Moment, auf den ich lange hingearbeitet habe: Doch hören Sie selbst und klicken Sie den Link oben an.

Mein herzlicher Dank geht auch dieses Jahr an alle Kunden und Lieferanten für jeden Auftrag und das entgegengebrachte Vertrauen.

Ein ganz spezieller Dank auch an die guten Geister in meinem Kontrabass Paradies:

André Pousaz für Musik, Rat und viel Tat
Martin Gerber für seine Geduld und den digitalen Support

In diesem Sinne wünsche ich Allen eine fröhliche Weihnacht und ein zufriedenes neues Jahr

Bis gleich wieder mal hier auf meinem Kontrabassblog…

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text, Bilder, Videos und Musik Giorgio Pianzola, Bern 2018

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Das Kontrabass Buch

Jonas Lohse, der begnadete Kontrabassist, rührige Grafiker und emsige Besitzer des Kontrabass Ateliers aus Frankfurt hat so nebenbei noch Zeit gefunden, ein geniales Buch über den Kontrabass zu schreiben.
„400 Jahre tiefe Töne- ein Buch über Geschichte und Bau, wichtige Bassisten und über den Kontrabass in der klassischen Musik und im Jazz“ verspricht der Flyer und behält 100%ig recht. Auf 224 Seiten geben die zahlreichen Fotos, Illustrationen und Infografiken tiefe Einblicke in die Welt des Tieftöners und machen das Kontrabass-Buch zu einer spannenden und kurzweiligen Lektüre für jeden Kontrabassisten und alle Musik Liebhaber jeder Stilrichtung.

Dieses Buch ist nicht nur ein Fachbuch. Es ist weit mehr und so spannend geschrieben, das man es kaum mehr aus der Hand legen mag. Dabei sind die kompliziertesten Abläufe einfach erklärt und mit erstklassigen Fotos oder Grafiken selbst für einen Laien leicht verständlich dargestellt. Es gibt auf dem Markt nichts Vergleichbares über den Kontrabass und Jonas hat mit diesem Werk eine respektable Meisterleistung vollbracht. Eine Bereicherung für jeden ernsthaften Kontrabassisten und ein ideales Geschenk für Jeden, der es werden will.

Das Buch ist für nur 47.- Fr auch in meinem Kontrabass Paradies erhältlich. Auch im Versand. Rufen Sie mich einfach an 031 398 23 80 oder bestellen Sie per email: pianzola@kontrabass.ch

In diesem Sinne viel Spass und bis gleich wieder mal hier auf meinem Kontrabassblog….

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text & Fotos G.Pianzola Bern 2018 Zitate: Klappentext Kontrabassbuch Jonas Lohse

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Nachlese Musikmesse Frankfurt 2018

Dass Messen kein Renner mehr sind, hört man von überall. Sinkende Besucherzahlen und jedes Jahr weniger Aussteller machen auch der Musikmesse zu schaffen. Konnte die zur gleichen Zeit stattfindende Prolight & Sound noch einige Zeit die Statistiken schönen, so war dieses Jahr die Agonie unverkennbar. Doch da ist man in Frankfurt nicht alleine, selbst vom renommierten Genfer Autosalon hörte man ähnliches.

ANS_Messe-FFM18Ich blieb der Messe bislang treu ( seit 1984 ) und freute mich auf die vielen bekannten Gesichter und die Aussicht auf ein paar besondere Neuerungen. Die Firma ANS ( Absolut Natural Sound ) stellte heuer zum ersten Mal an einem eigenen Stand aus und wurde gleich teils regelrecht belagert. Viele Musiker, Geiger, Bratscher, Cellisten und natürlich auch die Kontrabassisten interessierten sich für die herrlichen Tonabnehmer und die federleichten Verstärker. ANS ist eine Firma mit einer breiten Produktpalette von exzellenter Qualität.

ANS_Mini_front_netDa war es auch nicht verwunderlich, dass man hier zur Messe den Realbass Micro vorstellte. Die Micro ist eine kleine Box, die, auf einem herkömmlichen Ständer montiert, dem Bassisten als Monitor dient und so das leidige Problem der Intonationskontrolle auf elegante Weise löst. Die Box wiegt bloss 2,2 Kg und misst 20 cm auf 20 cm auf 10 cm. Also kein Transportproblem. Die Box ist bereits bei mir antestbar und hat schon einige verblüffte Gesichter beschallt. Ihre richtige Umwelt ist aber die Bühne oder das Studio, wo sie ihre Stärke ausspielen kann. Der Preis stand noch nicht fest, wird aber nächstens bekannt gegeben.

Generell fand man viel weniger Kontrabässe oder dessen Zubehör an der diesjährigen Musikmesse. Viele Firmen hatten ihre Ausstellungsfläche markant reduziert und stellten deswegen keine grossen Instrumente mehr aus. Einige Firmen, die sich noch vor Jahren als Marktleader auslobten, fehlten an der Messe und waren teilweise auch sonst nicht mehr erreichbar. Auch alte, traditionsreiche Hersteller geraten durch die billigen Anbieter aus Asien unter Druck und versuchen nun bei der Herstellung zu sparen. Ob diese Strategie zu Gunsten des vermehrt preisbewussten Kunden ist, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Denn aus dem Streichinstrument einen Wegwerfartikel zu machen, kann ja wohl nicht das Ziel dieser Branche werden.

Um so wichtiger sind da die Fachgeschäfte mit einer klaren Beratung und einer grossen Auswahl. Ueber 50 Kontrabässe, weit über 100 Bögen, ein grosses Angebot an Zubehör wie Hüllen, Verstärker, Tonabnehmer und vieles andere mehr runden mein Angebot ab. Bei mir können Sie in Ruhe ausprobieren und Ihre Wahl treffen. Rufen Sie mich einfach an und vereinbaren Sie Ihren persönlichen Besuchstermin. Meine Direktwahl lautet 031 398 23 80. Ich freue mich und verbleibe……

bis gleich wieder mal in meiner Werkstatt oder hier auf meinem Kontrabassblog…

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text und alle Fotos, G. Pianzola Bern 2018

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Neubau „The Drop“

Schütz_B&WDie Königsklasse eines Stadtgeigenbauers ist und bleibt der Neubau. Neben all den anfallenden Reparaturen und Einstellungen, den Neubehaarungen, den Umbauten und den Restaurationen von alten, historischen Instrumenten gehört der Neubau zu den absoluten Herausforderungen, denen ich mich immer mit grösstem Genuss hingebe. Gemeint ist nicht etwa der Neubau eines Kontrabasses in herkömmlicher Form und bekanntem Mass. Nein, ich schreibe hier von einem Neubau einer meiner eigenen Erfindungen, einer Verschmelzung von Cello und Kontrabass, dem „Drop“! Dieses handliche Instrument bietet bei bescheidensten Abmessungen einen unglaublichen Tonumfang vom Kontra-F bis ins dreigestrichene f hinauf. 1987 zum ersten Mal für den Cello Virtuosen Martin Schütz ( Siehe Bild ) gebaut, erfreut sich dieses tropfenförmige ( deswegen „The Drop“ ) Instrument äusserster Beliebtheit.

Drop_HalsDer Bau ist sehr aufwendig, macht aber irrsinnig Spass. Wenn man nicht eben von teuflischen Rückenschmerzen geplagt wird ( meine Verletzung durch den Umzug in ein Provisorium 2015 ) so kann man kaum mehr aufhören mit dem Bau dieser Schönheit. Als Erstes zeichne ich das Instrument in drei Rissen genau auf starkes Papier auf und klebe diese Zeichnung auf eine solide Schichtholzplatte auf. Sie wird mich jetzt eine Zeit lang begleiten. Das Holz habe ich schon aus dem Lager geholt und gemessen. Eine absolute Feuchte von maximal 7% ist ideal. Das Holz liegt seit 20 Jahren in meinem Lager. Aus dem grossen Ahornklotz säge ich nun den Hals grob heraus.

Drop_DeckeAus dem Rest des grossen Halsblockes aus dem harten Ahorn schneide ich nun zwei Bretter, klappe Sie wie ein Buch auseinander und verleime sie in der Mitte zu einem Stück, das den Rücken bilden wird. Aus einem schönen Brett Fichte schneide ich die gleichen Teile und verleime sie wiederum mit einer Mittelnaht zu der Decke. Mit Wölbungshobeln verschiedener Grösse und Hohleisen von wechselnden Rundungen arbeite ich die Wölbungen aus.

Drop_Werkzeug Ein feiner Adergraben wird in aufwendiger Handarbeit in den Rand des Rückens und der Decke gestochen. In diesen Graben wird ein dreiteiliger Span eingelegt, die sogenannte Ader. Sie besteht aus zwei Ebenholz- und einem Ahornspan und trägt massgeblich zur Rissverhinderung und zur Tonbildung des Klangkörpers bei. Eine sorgfältige Verarbeitung ist hier ein Muss, denn jede Ungenauigkeit wird unter dem Lack später sofort sichtbar sein.

Drop_ZargeMit einer grossen Druckform ( sie passt nicht aufs Bild ) habe ich den Zargenkranz gebogen. Der Oberklotz hat keinen einzigen rechten Winkel und muss mit seinen vielen Schrägungen perfekt passen. Das mittlere Brett dient nur der Lagerung der Zarge und verhindert das gefürchtete Verbiegen der dünnen Zargenwände. Es wird vor dem Verleimen weggenommen. Schon jetzt ist die prächtige Flammung des Ahorns sichtbar. Diese Eigenart im Wuchs des Baumes wird im Geigenbau gerne verwendet. Das Holz wechselt seine Maserung bei der geringsten Aenderung des Blickwinkels radikal und erzeugt so eine lebendige Oberfläche. Die Zarge ist wie eine Sprungfeder und bildet den eigentlichen Energiekörper des Instrumentes.

Drop_Seite_FrontDie Verleimung der einzelnen Teile bilden nun das eigentliche Instrument. Dieser Moment wird im Geigenbau sehr treffend mit dem Ausdruck „weisses Instrument“ beschrieben. Das Holz trägt noch keinen Lack und tönt sehr rein und schön. Um das Holz aber vor Umwelteinflüssen zu schützen, ist eine Lackierung nötig. In vielen Schichten und mit unzähligen Zwischenschliffen wird ein natürlicher Lack aufgetragen, der auch noch nach Jahrzehnten weich und geschmeidig bleibt und das Holz nicht am Schwingen hindert. Die Lackierung ist eine zeitraubende Arbeit und erfordert viel Geduld und eine ruhige Hand. Zudem muss jede Schicht lange trocknen, bevor weiterer Lack aufgetragen werden kann. Dies erfolgt nur mit einem Marderhaar Pinsel. Die aus der Industrie bekannte Spritzpistole kann man dazu nicht verwenden.

Drop_fertigNach der Lackierung muss das Instrument mindestens einen Monat ruhen. Nach dem Grifftest wird der Drop spielfertig gemacht. Das Griffbrett wird abgerichtet und ein erstklassiger Steg wird luftdicht auf die Decke gepasst. Nachdem die Saiten aufgezogen sind, fängt die Einstellarbeit erst richtig an. Die Höhe jeder einzelnen Saite sowohl beim Obersattel wie auch beim Steg muss exakt stimmen. Auch die Wölbung des Steges ist gerade bei einem 5-Saiter von äussester Wichtigkeit um eine angenehme Bespielbarkeit zu gewährleisten. Diese Arbeiten sind entscheidend für den Musiker. Auch wenn er sich der einzelnen Arbeitsschritte nicht bewusst ist, entscheidet die Einstellung des Instrumentes über sein Wohlbefinden, seinen Sound und letzendlich auch über die Musik, die Er oder Sie auf diesem Instrument spielt.

Babette_3Der grosse Tag der Uebergabe ist gekommen und die Musikerin Babette Werth ist angereist um Ihren „Drop“ zu übernehmen. Es ist ein besonderer Tag, nicht nur für Babette, auch für mich. Ich habe lange und intensiv an diesem Drop gearbeitet und wie jedes Instrument, das ich gebaut habe, ist er mir doch etwas ans Herz gewachsen. Aber ich sehe sofort, das er in gute Hände kommt und auch Babette mag den Drop sofort. Wir probieren die verschiedensten Einstellungen am Tonabnehmer und Sounds aus und so vergeht der Tag schnell. Babette macht sich mit dem Drop auf ihren Heimweg und auch ich kehre noch in die Werkstatt zurück, lösche die Lichter und schliesse die Läden.

In diesem Sinne, viel Spass und bis gleich wieder mal hier auf meinem Kontrabassblog

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text und alle Fotos, Giorgio Pianzola Bern 1987, 2017, 2018

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